Wusstest du, dass im Gehirn eine ganz eigene Region besteht, die nur in Bildern denkt? Vielleicht ist es eigentlich dein Herz, das in Bildern ‚denkt‘ – oder vielmehr ’sieht‘. Nicht in Kombination mit Worten … sondern rein in Bildern. Wir tragen in uns – in unserem Gehirn und vielleicht auch in anderen Teilen unserer Körper (Zellgedächtnis) Bilder. Bildfragmente. Und auch Gerüche. Bewegungen. Berührungen. Letztlich sind das alles neuronale Verbindungen, Vernetzungen.

Dein Skizzenbuch – hast du schon eins?

 
Es kann dir Wege zu dir selbst eröffnen … wenn du es benutzt und es zur Dependance deines Körpergedächtnisses machst.

Ich habe mich lange gegen Skizzenbücher ‚gewehrt‘. Irgendwie fand ich das früher doof, so ‚halbgare Kritzeleien‘ zu machen, mit denen ich ‚dann doch nichts anfange‘. (Bewertung über Bewertung). Waren eher wortlose Gedanken, ich habe einfach keine LUST gehabt auf ein Skizzenbuch. Vielleicht spielte auch Faulheit eine Rolle (Räusper..).

Aber ich habe seit ich 15 war Tagebuch geschrieben und tue das auch heute noch. Das Schreiben ist für mich sehr wesentlich … es ordnen sich für mich viele Gedanken…. Ich bekomme Klärung, wenn ich schreibe. Ich schreibe oft erst Oberflächliches (Tagesgeschehen usw.)… bis dann plötzlich die tieferliegenden Themen hochwollen, hochkommen. Das kann etwas Ungeklärtes sein, oder ein Schmerz, oder eine Wut, oder … ein Erlebnis, das ich noch verarbeiten muss.
Ein Gespräch mit Gott. … eine Frage an ihn… ein Hinhören… und ich schreibe es auf. Ein Bewusstwerden von zum Beispeiel Bitterkeit in mir … die ich dann beim Namen nennen kann … nur so kann ich sie loslassen und Gott überlassen. Ich möchte keine Bitterkeit in meinem Leben zulassen. Bitterkeit ist wie … die Wurzel eines Walnussbaumes. Die Wurzel eine Walnuss-Sprösslings ist schon 1m tief in der Erde, wenn der Sproß erst 10cm hoch ist. Es ist eine sehr kräftige Wurzel, man bekommt sie kaum noch raus, sobald der Baum über 1m groß ist.  Interessanterweise ähnelt die Walnuss unserem Gehirn.

Jedenfalls…. Im Schreiben finde ich zu mir. Und zu Gott. Zentrierung.

Julia Cameron hat in ihrem Buch „Der Weg des Künstlers“ (größte Herzensempfehlung!) von der Einübung des ‚Morgenseiten schreiben‘ gesprochen, als wichtige (geistliche) Übung, um als Künstlerin seinen Weg zu finden. Dem kann ich aus tiefstem Herzen zustimmen. Ein unglaublich wertvolles Buch, das mir sehr geholfen hat.

Was ich entdeckt habe…. Mein Skizzenbuch ist eine erweiterte Form meines Tagebuches. Und doch anders, denn im Skizzenbuch komme ich an die Dinge in mir heran, die in Erinnerungen, Bildern, Fragmenten, Farben und Gesten und Gefühlen abgespeichert sind (also das was mit Worten nicht zu sagen ist). …

Es ist von daher… noch etwas Geheimnisvoller, weil unkontrollierbarer….
Ich denke mittlerweile, ich habe deshalb so lange ‚keine Lust‘ auf Skizzenbuch gehabt, weil ich noch viel zu sehr in der Kontrolle verhaftet war (wie die meisten Menschen).

 

Kontrolle ablegen – mit deinem Skizzenbuch

Das Skizzenbuch ist ein wunderbarer Ort, um Kontrolle loszulassen und ins Spielen zu kommen. Was will da in mein Skizzenbuch, wenn ich einen Stift (oder Pinsel) in die Hand nehme – jeden Tag für 3 Minuten nur? – und meiner Energie einfach freien Lauf lasse? Ohne dass es etwas ‚werden‘ muss. Es ist ‚nur ein Skizzenbuch‘ – also mache ich kein ‚teures Papier‘ futsch und es stört auch sonst nicht. Es ist handlich und ich kann es auch auf Reisen und in der Straßenbahn mitnehmen. Wer weiß …. Vielleicht zeigt sich da ein Muster, das sich wiederholt?

Zufällig finde ich eine Farbkombination, die ich im schnellen und gedankenfreien spielerischen Tun in meinem Skizzenbuch gemacht habe. Sie gefällt mir … damit will ich weitermachen. Ich probiere mich aus mit Klebeband. Stempeln, Pflanzendruck, Papieren, Tinten, Stiften, Wachsmalkreiden….
Mit verschiedenen Dingen, die ich zum ‚Pinsel‘ umfunktioniere. Ein Teigschaber. Ein Büschel meiner abgeschnittenen Haare. Oder mit den Fingernägeln oder einem Ast in die nasse Farbe geritzt…

Ich sammle in meinem Skizzenbuch … Geheimnisse

– Farbkombinationen
– Ich stemple, kritzle, verbinde, zeichne, male, schreibe, überklebe, reiße ab
– Ich schreibe meine Ideen und Überlegungen auf
– Ich klebe Collagen-Fragment
– Ich übermale Fotos und sehe, was passiert
– Ich teste Papiere, Kleber und Farben ..
– Manchmal habe ich tatsächlich dann auch eine Idee! 🙂
– ich skizziere Formen aus der Landschaft…
– Ich mache Tests
– Ich erfinde Formen

So entsteht eine Fülle von bildlichem Vokabular, das sich mir geheimnisvoll offenbart. Manchmal schaue ich Monate später auf etwas und denke ‚wow, das habe ich gemacht!?‘ Ein Vokabular, mit dem ich meinen Ausdruck erweitere und wo ich selbst überrascht werde, was da alles in mir ist. Ich erweitere meinen bildnerischen Sprachschatz. Und ich generiere Ideen! Ich mache unerwartete Entdeckungen, die ich auf anderen Formaten, in einer Bildserie z.b. erforschen möchte.

Dein Skizzenbuch kann dein erweitertes bildnerisches Vokabular werden…. – und wie bei jeder Sprache … lernen wir durchs Tun. Das Skizzenbuch ist auch ein prima Freund: wie jemand, der einfach alles von dir wissen darf, auch deine schlechtesten Gedanken.

Tipps für dein Skizzenbuch:

Es gibt es zum Beispiel beim Künstlerbedarf boesner viele verschiedene blanko-Bücher, manchmal im Angebot. Du kannst aber auch viel günstiger starten, indem du dir einfach aus einzelnen zusammengefalteten Blättern, Faden und Nadel ein eigenen Buch zusammen heftest (oder anders zusammenbringst). Die Blätter können alte Kalenderblätter sein, oder Papier, das übrig blieb, verschiedene Geschenkpapiere, Packpapiere… – so bekommst du auch gleich eine schöne Auswahl an Malgründen. Aber auch alte Bücher gehen gut! Da hast du dann schon die gedruckte Schrift als erstes Layer :-), und das Buch ist schon gebunden. Auch ein ZickZack-Buch kann man relativ einfach selbst machen.

Nimm auf jeden Fall etwas, das billig ist, gib nicht viel Geld dafür aus! Meine Erfahrung ist: wir mögen alle gerne diese tollen hochwertigen Blankobücher – aber dann haben wir doch Hemmungen, sie zu benutzen und wollen es ‚schonen‘. Ja, so sind wir halt.

Gut ist auch, mehrere Skizzenbücher zu haben, vielleicht magst du ein kleines und ein größeres probieren, um herauszufinden, welches deine dir angenehmste Größe ist. Richtig viel Spaß macht es gemeinsam in einer Gruppe … denn dann kann man auch vom Vokabular der anderen so viel lernen und es macht mehr Spaß, als alleine.

Melde dich gerne auch für meinen ART-Letter an, dann bekommst du von mir in (unregelmäßigen, eher großen) Abständen Mails von mir mit Inspirationen, Geschichten und Tipps rund um Kunst, Malerei, Kreativität, Kreativgemeinschaft … u.a.m. Ab und zu auch eine Einladung und immer die Infos, wenn ich wieder etwas Kreatives anbiete. Vom Art-Letter kannst du dich jederzeit mühelos abmelden, aber das wäre ja schade! 🙂

Außerdem gibt es auf Facebook meine ‚Kunst auf’s Herz‘ Gruppe, in die du auch gerne kommen kannst. Einfach bei Suche ‚Kunst auf’s Herz‘ eingeben.


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